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Hiddensee
Hiddensee
Eine Wanderung im Sommer
Leuchtturm auf Hiddensee
Ein lauer Sommertag. Nur eine schwache Brise weht uns um die Nase, als wir den Leuchtturm am 60 Meter hohen Dornbusch auf der Insel Hiddensee erreichen. Steil ist der Weg dorthin zuweilen, wo sich doch der Rest der Insel flach und eben zeigt, wie das ruhige Meer. Der Dornbusch ist ein alter Moränenkern, ein kleiner Rest der ehemaligen Hügellandschaft, wie es sie hier nach dem Abschmelzen der Gletscher überall gab. Vom Leuchtturm wandern wir zum nahen Kliff. Wir haben Glück und gute Sicht bis hin zur weiß schimmernden Kreideküste der dänischen Insel Mön. Doch etwas unterhalb der Kante, an der wir stehen, blicken wir auf eine wahre Mondlandschaft. Nackte Erde mit Spalten und Rissen, Säulen aus Lehm und Ton, umgeworfen von gewaltigen Kräften. Kaum vorstellbar, dass die See, die sich im Moment so sanft zeigt, hier gewütet hat. Besonders im Winterhalbjahr brausen die Westwinde über die Wellen der Ostsee. Auf der windzugewandten Seite der Moränenkerne nagt dann das Meer mit besonderer Ausdauer an den Kliffs und reißt große Mengen Sand, Lehm und Steine mit sich. Vom Kliff des Dornbusch werden auf diese Weise etwa 30 cm pro Jahr abgetragen. Tief beeindruckt verlassen wir das Kliff, um über gewundene Pfade zum Alten Bessin zu wandern, an dessen Ende ein Aussichtsturm zur Vogelbeobachtung auf uns wartet.
Ein Ausflug lohnt sich
Schon bald haben wir den Moränenkern verlassen und wandern über flach gewölbte Hügel, die von Schafen beweidet werden. Lang ist der Weg am Boddenufer bis zum Aussichtspunkt. Doch in dieser harmonischen, offenen Landschaft mit ihren zahlreichen Busch- und Baumgruppen und den vielen singenden Vögeln ist man geneigt, die Zeit zu vergessen. Am Ende des Alten Bessin, einer schmalen Landzunge, erblicken wir erneut nackten Boden ohne Pflanzenkleid. Die Ebene, die kaum über den Meeresspiegel hinausragt, zeigt sich uns als Gegenstück zum Abtrag am Kliff. Hier entsteht neues Land. Vor allem die abgetragenen Sandpartikel werden entlang der Kliffs von der küstenparallelen Strömung erfasst und abtransportiert. Große und kleine Steine bleiben an den Ufern liegen und bilden regelrechte Blockstrände. Im Strömungsschatten der Moränenkerne, der sich in der Regel auf der windabgewandten Seite befindet, lagern sich die Sande wieder ab. Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten bilden sich flache Haken und Sandbänke heraus. Solange sich die Strömungsverhältnisse nicht ändern, wachsen diese Haken weiter und übertreffen in ihren Ausmaßen die verbliebenen Moränenkerne zum Teil deutlich.

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