Mecklenburg-Vorpommern.NABU.de Natur erleben Seen und Flüsse

Seen und Flüsse

Seen und Flüsse

Wasser prägt die Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Biberbaum

Biberspuren

Wer auf eine Landkarte Mecklenburg-Vorpommerns schaut, meint Teile Skandinaviens vor sich zu sehen. Dicht an dicht drängen sich Seen, Flüsschen und Sölle. Waren Vorpommern und die Hansestadt Wismar 185 Jahre schwedisches Eigentum, so verbindet uns doch ein viel weitreichender Abschnitt der Geschichte. Die letzte Eiszeit wirkte hier wie dort über tausende von Jahren. Die Kraft der kolossalen Gletscher und ihre gewaltigen Schmelzwassermengen formten eine Vielzahl an Senken, Löchern, Becken und Rinnen. Mit Wasser aus Quellen, Flüssen oder dem Niederschlag gefüllt, begannen sie ihr Leben als Seen. Etliche von ihnen gibt es schon gar nicht mehr. Denn so wie alles im Kreislauf der Natur, haben auch Seen ihre Zeit. Nach und nach wachsen sie zu, "verlanden" sie. Andere Seen sind erst nach dem Ende der Eiszeit entstanden. Als der Mensch die Wälder rodete, um Siedlungs- und Ackerland zu gewinnen, stieg das Grundwasser an und flutete so manche Niederung.

2000 Seen in Mecklenburg-Vorpommern

Brutteiche Trossin

Bis heute sind in Mecklenburg-Vorpommern 2000 Seen verblieben. Insgesamt bedecken sie eine Fläche von 718 Quadratkilometern, was ungefähr 6 mal der Größe der Müritz entspricht. Letztere ist auch mit 115 Quadratkilometern das größte Binnengewässer Norddeutschlands. Reich an Seen ist hingegen der Landrücken Mecklenburg-Vorpommerns. Hier fuhren die Gletscher, bedingt durch Klimaschwankungen, besonders häufig vor und zurück, bevor sie durch ansteigende Temperaturen endgültig nach Norden verdrängt wurden. Dies Kräfti hinterließen eine bewegte Landschaft mit für norddeutsche Verhältnisse beachtlichen "Höhen". Eingebettet in diese "bucklige Welt" sind einige große Seen, die zu den größten Binnengewässern Deutschlands gehören - so der Schweriner, der Krakower, der Plauer See und die Müritz. Gemeinsam mit dem Neustrelitzer Kleinseengebiet zwischen Müritz und Feldberg und den vielen Seen des Naturparks "Nossentin-Schwinzer Heide" bilden sie die "Mecklenburger Seenplatte".

Tourismus

Die vielen Seen machen unser Bundesland für Touristen ungemein attraktiv. Neben der Küste ist die Mecklenburger Seenplatte das beliebteste Reiseziel im Land. Im Hauptreisemonat Juli stieg hier die Zahl der Übernachtungen in den Jahren 1998-2002 von 63.560 auf 108.289. Viele anmutige Gewässer laden ein, die ganze Vielfalt des Wasserlebens hautnah zu erleben. Die Reise mit dem Kajak, Kanu oder Faltboot ist dabei die angenehmste Form der Fortbewegung. Das sanfte Dahingleiten garantiert zauberhafte Erlebnisse in amphibischen Landschaften. Beeindruckend die Fülle an Tier- und Pflanzenarten, die der Lebensraum Wasser hervorbringt.

Unsere Seen sind gefährdet

Teich bei der Blumberger Mühle

Wer sich angesichts dieser Idylle an einem Sommermorgen in einem der schönen Seen des Landes erfrischt, kann nur schwer glauben, was Untersuchungen des Landesamtes für Natur, Umwelt und Geologie ergaben: Den meisten Seen geht es nicht gut. Ihre Gesundheit hat in den letzten 50 Jahren deutlich gelitten. Eine großangelegte Studie aus den Jahren 1995-1999 belegt, dass von 505 Seen in Mecklenburg-Vorpommern 437 als nährstoffüberlastet einzustufen sind. In diesen Seen können während der warmen Sommermonate überdurchschnittlich viele Algen zu Fäulnisprozessen und Sauerstoffmangel führen.

Ursachen für diese alarmierende Situation sind die Stoffeinträge aus Landwirtschaft und Verkehr, hauptsächlich die Zufuhr von Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Ursprünglich kann ein See einiges vertragen. Ein raffiniertes Selbstreinigungssystem sorgt für gleichbleibend gute Lebensbedingungen. Intakte Schilfgürtel setzen das Zuviel an Stickstoff um. Funktionierende Nahrungsbeziehungen von Mikroorganismen bis hin zum Fischadler verhindern, dass der See dauerhaften Schaden nimmt. Die inzwischen enormen Stickstofflasten aus den zuführenden Gräben, Flüssen oder aus der Luft übersteigen jedoch die selbstheilenden Kräfte der Seen.

Belastetes Abwasser wurde als Verschmutzungsursache der Seen durch moderne Kläranlagen bis heute nahezu eliminiert. Hohe Belastungen aus landwirtschaftlichen Rückständen sind jedoch weiterhin an der Tagesordnung. Hinzu kommt ungezügelter Freizeitspaß: illegal errichtete Bootshäuser im empfindlichen Uferbereich, wilde Bade- und Angelstellen im Schilfgürtel oder hoher Wellenschlag durch rasende Motorboote bedeuten neuen Streß für unsere Seen. Ungestörte Uferzonen, für jedes Gewässer überlebenswichtig, werden selten.

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