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Neunaugen

Die Neunaugen

Lebende Fossile

Flussneunauge am Laichplatz

Neunaugen sind sehr ursprüngliche Vertreter der Wirbeltiere und gelten als lebende Fossile. Sie haben einen aalartigen, langestreckten Körper, der mit einem flossenartigen Rücken- und Schwanzsaum besetzt ist. Ihren Namen verdanken sie einer ungenauen historischen Beschreibung, wonach der Beobachter neben dem eigentlichen Auge auch die Nasenöffnung und die sieben seitlichen Kiemenspalten als Augen ansah (also neun „Augen“ auf jeder der beiden Körperseiten). Tatsächlich jedoch haben auch die Neunaugen nur zwei Augen.

Zu den Neunaugen gehören Meer-, Fluss- und Bachneunauge. Sie unterscheiden sich in der Körperlänge und auch durch ihren Lebensraum. Das Bachneunauge, mit einer Länge von max. 16 cm, ist in Mecklenburg- Vorpommern überwiegend in kleinen bis mittleren Fließen nachgewiesen.

Neunaugen sind keine Fische

Biologisch gesehen gehören Neunaugen nicht zu den Fischen. Sie haben keine Kiefer, sondern ein rundliches Saugmaul, welches mit einer Vielzahl von Hornzähnen ausgestattet ist. Mit dem Saugmaul heften sich die Neunaugen an ihre Beute, raspeln Fleischstücke heraus und saugen Blut. Beutetiere der Neunaugen sind Fische. Die Fische überleben die Angriffe meistens, wenn sie groß und gesund sind, behalten aber die typischen runden Narben zurück. Kleinere und vor allem geschwächte Fische können an einem Neunaugenbefall sterben.

Angst und Schrecken verbreiteten im Sommer immer wieder Meldungen über Angriffe von Neunaugen auf ahnungslose Schwimmer an unserer Küste. Solche Angriffe sind nicht auszuschließen, für die Betroffenen sicher auch unangenehm, aber kein Grund sich das Baden vermiesen zu lassen. Der Schreck ist größer als die Gefahr, denn die Bisse sind weder giftig noch gefährlich.

Die Wandlung im Alter

Interessant ist die Lebensweise der Neunaugen, die zu den anadromen Wanderfischen gehören. Anadrom bedeutet aufsteigend und beschreibt damit die Wanderung geschlechtsreifer Tiere flussaufwärts zum Laichen. Alle drei Arten (Meer-, Fluss- und Bachneunauge) durchlaufen ein Larvenstadium. Diese Querder genannten Larven unterscheiden sich vollkommen von den erwachsenen Tieren. Die Querder sind blind, haben noch kein Saugmaul, ernähren sich von Plankton und durchlaufen am Ende ihrer Larvenzeit eine echte Metamorphose zum erwachsenen Tier. Dieser Wandel umfasst nicht nur die körperliche Gestalt, sondern ist außerdem mit einem Wechsel des Lebensraumes verbunden. Eine Nahrungsaufnahme erfolgt bei erwachsenen Bachneunaugen nicht mehr. Das Querderstadium dauert bei allen Neunaugenarten mehrere Jahre.

Heute stark bedroht

Meerneunaugen werden etwa ein bis zweimal im Jahr an unserer Küste gefangen. Es wird davon ausgegangen, dass sich das Meerneunauge bei uns nicht fortpflanzt. Flussneunaugen werden regelmäßig im Bereich der Flussmündungen gefangen.

Das Vorkommen des Flussneunauges gilt als hochgradig gefährdet. Hauptgrund dafür sind Staue und Wehre, die den Tieren die Wanderung zu den Laichgebieten unmöglich machen. Der Gewässerausbau zerstörte in der Vergangenheit viele Laichgebiete. Die regelmäßigen Gewässerunterhaltungsmaßnahmen vernichten heute noch Laichplätze und führen zu sehr hohen Verlusten unter den Tieren, weil sie schlicht mit dem Aushub aufs Trockene gesetzt werden und verenden.

Verbreitungsschwerpunkte des Bachneunauges sind das Warnow- und das Peenesystem. Auch diese Art gilt als stark gefährdet. Verbauungen der Gewässer sowie Gewässerunterhaltungsmaßnahmen schränken auch die Lebensräume der Bachneunaugen stark ein. Galten früher die Neunaugen als kulinarische Spezialität, so gilt heute für alle Neunaugenarten in Mecklenburg- Vorpommern eine ganzjährige Schonzeit.

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