Hunderttausende Fledermäuse wandern über Nord- und Ostsee
NABU-Studie ergibt dringende Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen
Rauhautfledermaus im Flug - Foto: Christian Giese
25. Februar 2026 - In der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ leiten die Forschenden des NABU Mecklenburg-Vorpommern die dringende Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen ab, um die gefährdeten Tiere vor Kollisionen mit Offshore-Windenergieanlagen zu schützen.
Insgesamt neun Jahre lang erfasste das Team aus Fledermausfachleuten aus ganz Norddeutschland und der Schweiz mit Hilfe von Fledermausdetektoren auf Tonnen, Plattformen und einem Leuchtturm in der deutschen Nord- und Ostsee die Echoortungsrufe der Fledermäuse. Sie entwickelten eine Methode, um aus diesen akustischen Daten auf die Anzahl der vorbeifliegenden Fledermäuse rückzuschließen. Auf Basis der Erfassungsreichweite der eingesetzten Fledermausdetektoren berechneten sie die Rate der durchwandernden Tiere pro km und Jahr.
„In der gesamten deutschen Ostsee treten hohe Wanderraten von bis zu 4.500 Fledermäusen pro km und Jahr auf. In der Nordsee gibt es hohe Wanderaktivitäten von rund 1.500 Fledermäusen pro km und Jahr in den küstennäheren Bereichen“, erläutert NABU-Fledermausexpertin Antje Seebens-Hoyer, unter deren Leitung die vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Studie durchgeführt wurde. „Weit draußen in der Nordsee, wo nur wenige Fledermäuse vorkommen, sind Offshore-Windenergieanlagen aus Fledermaussicht somit unkritisch. In den küstennäheren Gewässern und der gesamten Ostsee dagegen besteht ein hohes Gefährdungspotential.“ Die NABU-Experten fordern deshalb dringend Schutzmaßnahmen, damit der Abwärtstrend der wandernden Arten gestoppt werden kann.
Windenergie und Fledermausschutz sind vereinbar
Besonders eignet sich dazu die Abschaltung der Anlagen in Zeiten mit hoher Fledermausaktivität, die an Land und in anderen europäischen Ländern auch offshore Standard ist. „Da Fledermäuse nur während kurzer Zeiträume über dem Meer wandern und zudem Schwachwind bevorzugen, müssen Schutzmaßnahmen nicht zu großen Ertragseinbußen führen“, erläutert Seebens-Hoyer. „Offshore-Windenergienutzung und Fledermausschutz sind demnach vereinbar.“
Die Studie wurde durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.
Fachpublikation:
Antje Seebens-Hoyer, Lothar Bach, Henrik Pommeranz, Christian C. Voigt, Volker Runkel, Pius Korner, Petra Bach, Michael Göttsche, Reinhold Hill, Annette Pommeranz, Sandra Vardeh, Tobias Böhme, Matthias Göttsche, Hinrich Matthes: Estimating the traffic rates of bats migrating across the North and Baltic Seas to develop efficient mitigation measures at offshore wind energy facilities. Biological Conservation 316, (2026) 111741. Link zur Publikation
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