Freude über Finken und Sorge um Gebäudebrüter
Bei „Stunde der Gartenvögel“ 2026 wieder mehr Finken gezählt, aber weniger Mauersegler und Feldsperlinge
Haussperling - Foto: Frank Derer
26. Mai 2026 Es war ein Zählwochenende mit gemischten Gefühlen: Bei der 22. „Stunde der Gartenvögel“ meldeten die Teilnehmenden in Mecklenburg-Vorpommern wieder viele vertraute Arten aus Gärten, Parks und von Balkonen. Doch während Buchfink, Grünfink und Amsel in diesem Jahr häufiger beobachtet wurden als im Vorjahr, zeigen die Zahlen bei Feldsperling, Mauersegler und Hausrotschwanz leider nach unten. Für den NABU Mecklenburg-Vorpommern ist das Ergebnis deshalb zugleich erfreulich und besorgniserregend.
„Gerade bei den Finken können wir im Nordosten erst einmal aufatmen“, sagt Manuela Heberer, Pressesprecherin des NABU Mecklenburg-Vorpommern. Der Buchfink wurde im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent häufiger gemeldet, der Grünfink um 23 Prozent. „Das ist ein gutes Zeichen. Offenbar bahnt sich derzeit keine neue Infektionswelle mit Trichomonaden an, die in der Vergangenheit bei einigen Finkenarten deutliche Spuren hinterlassen hatte.“ Ganz aus dem Blick geraten dürfe das Thema aber nicht. Die Erreger können sich besonders an Futterstellen und Vogeltränken verbreiten. Wer Vögel unterstützt, sollte deshalb auf Hygiene achten, am besten Futtersäulen nutzen, Futterplätze regelmäßig reinigen und Wasser täglich wechseln.
Amselgesang kehrt langsam zurück
Amsel und Krokusse - Foto: Marco Sommerfeld
Auch bei der Amsel gibt es in Mecklenburg-Vorpommern vorsichtig erfreuliche Nachrichten. Nachdem die Art im vergangenen Jahr durch das Usutu Virus vielerorts deutlich seltener gemeldet wurde, liegt sie nun sechs Prozent über dem Vorjahreswert. „Viele Menschen haben im vergangenen Jahr gemerkt, dass der vertraute Amselgesang in manchen Gärten leiser geworden ist“, so Manuela Heberer. „Das leichte Plus in diesem Jahr zeigt, dass sich die Bestände offenbar etwas erholen konnten.“ Eine vollständige Entwarnung ist das aber noch nicht. Die weitere Entwicklung muss aufmerksam beobachtet werden.
Weniger erfreulich fällt der Blick auf den Feldsperling aus. Er rutscht von Platz 2 auf Platz 4 unter den gemeldeten Gartenvögeln in Mecklenburg-Vorpommern.
Gebäudebrüter in Schwierigkeiten
Besonders deutlich ist der Rückgang beim Mauersegler. Die eleganten Sommerboten wurden in Mecklenburg-Vorpommern um 45 Prozent seltener gemeldet. Auch der Hausrotschwanz liegt mit einem Minus von zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. Beide Arten brüten an Gebäuden und sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. „Wenn solche Gebäudebrüter seltener werden, schauen wir nicht nur auf einzelne Vogelarten, sondern auch auf Lebensräume, die verschwinden“, erklärt Manuela Heberer. Sanierungen ohne Ersatzquartiere, verschlossene Nischen an Gebäuden und der Rückgang von Insekten könnten den Arten zusetzen. Hinzu komme, dass einige Tiere möglicherweise später aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind und deshalb am Zählwochenende noch nicht in gewohnter Zahl zu sehen waren.
Ein besonderer Lichtblick ist die Mönchsgrasmücke. Sie wurde in Mecklenburg-Vorpommern um 32 Prozent häufiger gemeldet. Die unscheinbare Sängerin fühlt sich dort wohl, wo Gärten nicht zu aufgeräumt sind: in dichten Hecken, Sträuchern und bodennaher Vegetation. „Die Mönchsgrasmücke zeigt, wie viel ein naturnaher Garten bewirken kann“, so Heberer. „Wer heimische Sträucher pflanzt, wilde Ecken stehen lässt und nicht jeden Winkel sofort aufräumt, schafft wertvollen Lebensraum direkt vor der Haustür.“
Insgesamt haben in Mecklenburg-Vorpommern rund 1.400 Menschen bei der Vogelzählung mitgemacht und aus etwa 900 Gärten über 35.000 Vögel gemeldet. Auf Platz eins landet wieder der Haussperling, gefolgt von Kohlmeise und Amsel. Die „Stunde der Gartenvögel“ ist eine Mitmachaktion von NABU und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz). Die nächste Vogelzählung ist die „Stunde der Wintervögel. Sie findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt.
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