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Die Renaissance der Sense

Altes Handwerk hält Mensch und Natur gesund

Was bis vor wenigen Jahrzehnten noch zum Dorfalltag gehörte, ist inzwischen fast völlig von der Bildfläche verschwunden: Das Mähen mit der Sense! Doch immer mehr Menschen finden zurück zu dem körper- und umweltschonenden Mähwerkzeug.

Kurs mit Sensenlehrer Hartmut Winkels in Gagzow bei Wismar - Foto: Petra Walter-Moll

Kurs mit Sensenlehrer Hartmut Winkels in Gagzow bei Wismar - Foto: Petra Walter-Moll

Während früher jeden Abend das als Dengeln oder Klopfen bezeichnete Schärfen der Sensenblätter durch die Dörfer tönte, ist dieses Geräusch heute vielfach verstummt. Es würde wohl auch kaum noch jemand erkennen. „Dabei war die Arbeit mit der Sense –zu der natürlich auch das Dengeln gehörte- früher so allgegenwärtig, dass es niemand für nötig hielt darüber zu schreiben“, sagt Ulf Bähker. „Deshalb gibt es heute kaum Literatur“, so der Naturschützer, der selbst seit 2015 der Faszination der Arbeit mit der Sense erlegen ist.

Vor zwei Jahren wurde Bähker auf einen Sensenkurs in Gagzow bei Wismar aufmerksam. An zwei Tagen wurde dort das Dengeln und auch das Mähen mit der Sense auf einer idyllischen Streuobstwiese gezeigt. Hartmut Winkels hat das Mähen mit der Sense bereits als Kind von seinem Großvater gelernt. Was für ihn - durch jahrelange Praxis im Umgang mit der Sense - selbstverständlich ist, gibt er inzwischen gerne an Interessierte weiter. Vor Jahren besuchte er einen Lehrgang des Sensenvereins in Österreich. Seitdem ist er als Sensenlehrer unterwegs und lässt den Funken der Begeisterung auf Kursteilnehmer überspringen.


Mähfertig gedengelte Sense - Foto: Petra Walter-Moll

Mähfertig gedengelte Sense - Foto: Petra Walter-Moll

„Wer eine Wiese oder seinen Rasen fast lautlos und ohne Anstrengung mähen will, ohne Benzin- oder Stromverbrauch, ohne Lärm und Abgase – und dabei auch noch entspannen will“, gerät Winkels ins Schwärmen, „der sollte zur Sense greifen: Dem ältesten und effizientesten Mähwerkzeug der Welt!“ Schließlich sind Sensen seit über 2.000 Jahren bekannt – und bewährt. Erst in der jüngeren Vergangenheit haben mechanische und motorbetriebene Mähgeräte die Sense in Mitteleuropa fast völlig verdrängt. Dabei ist binnen einer Generation viel Wissen verloren gegangen. „Mit einer billigen Baumarkt-Sense, die nicht auf den Mäher eingestellt ist, ist körperschonendes und wirksames mähen kaum möglich“ gibt der Sensenlehrer zu bedenken. Mit der richtigen Ausrüstung und der richtigen Technik wird die Arbeit hingegen zum Genuss.


Mähen mit der Sense - Foto: NABU-Archiv

Mähen mit der Sense - Foto: NABU-Archiv

„Dabei ist das Mähen mit der Sense nicht nur ein körperschonendes Fitnesstraining“, meint Hartmut Winkels. „Man verbraucht keine Energie – außer Kalorien! Außerdem nimmt man seine Umgebung während der Arbeit wahr und kann Tiere und besondere Pflanzen schonen.“ Daher ist Sensenmähen auch absolut umweltschonend. Nicht umsonst gilt die frühere bäuerliche Kulturlandschaft als Motor der Artenvielfalt. Die vielfältige, oftmals von Hecken durchzogene Struktur der Landschaft, sorgte mit ihren Feldern, blütenreichen Wiesen und Brachen für viele Lebensräume. Dazu gehörte aber auch die schonende Bewirtschaftung durch die Bauern. Was früher Standard war, heißt heute „extensiv“ und spielt in der industriellen Landwirtschaft keine Rolle.

Doch bei der Pflege von Naturschutzflächen und immer öfter auch im eigenen Garten, erlebt dieses alte Handwerk gerade ein Comeback. Immer mehr Menschen besinnen sich auf die ruhige, den Körper und die Umwelt schonende Arbeit. Die Sense liegt wieder voll im Trend. Doch wer mit dem Mähen mit der Sense beginnen will, sollte sich vorab gut informieren. Häufig lässt die Qualität angebotener Sensenblätter zu wünschen übrig. Zudem muss der Sensenbaum zur Körperlänge des Mähers passen. Nicht zuletzt muss das Werkzeug auch richtig eingestellt werden.


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